Vor den Toren von Lyon wird der Beaujolais oft als unser „Hausweinberg” betrachtet. Seine Königsrebsorte? Der Gamay noir à jus blanc.
Oft auf das festliche Image des „Beaujolais Nouveau” reduziert, verbirgt diese Rebsorte jedoch eine turbulente Geschichte, die einer Fernsehserie würdig wäre, und eine genetische Noblesse, die die Wissenschaft Jahrhunderte brauchte, um zu enthüllen.
Im Petit Musée du Vin lieben wir es, Vorurteile zu hinterfragen. Heute rehabilitieren wir den Gamay!
„Eine sehr schlechte und sehr treulose Pflanze”: Der Skandal von 1395
Das ist eine köstliche historische Anekdote, die wir auf unseren interaktiven Terminals erzählen. Der Gamay war nicht immer willkommen auf seinem Ursprungsland.
Im Mittelalter wurde der Gamay in Burgund neben dem Pinot Noir angebaut. Aber 1395 traf der Herzog von Burgund, Philippe le Hardi, eine radikale Entscheidung. Er befand den Gamay als „zu produktiv” und schädlich für den Ruf der Weine der Region.
Im Gegensatz zum Pinot Noir, der als edel galt, wurde dem Gamay vorgeworfen, die Qualität zu verwässern. Der Herzog ordnete seine Massenrodung und seine Verbannung an! Aus den Kalksteingründen der Côte d’Or vertrieben, fand der Gamay etwas weiter südlich Zuflucht auf den Granitböden des Beaujolais, wo er schließlich sein Lieblingsтеррoir fand.
Der DNA-Test hat gesprochen: Der heimliche Sohn des Pinot Noir!
Das ist die große Enthüllung der modernen Wissenschaft, die in unserem Modul über „Die große Familie des Weins” ausführlich beschrieben wird. Lange Zeit kannte man die genaue Herkunft unserer Rebsorten nicht. Aber um die Jahrtausendwende hat die pflanzliche DNA-Analyse ein Familiengeheimnis gelüftet.
Der Gamay ist keine einfache Rebsorte. Er ist der Sohn zweier sehr unterschiedlicher Eltern:
- Der Pinot Noir: Die edle Rebsorte par excellence.
- Der Gouais Blanc: Eine alte bäuerliche Rebsorte, robust aber verachtet, heute nahezu verschwunden.
Diese natürliche Kreuzung verlieh dem Gamay die Feinheit des einen und die Robustheit des anderen. Aber die Überraschung hört nicht dort auf! Diese Genanalyse zeigt uns, dass der Gamay der Halbbruder des Chardonnay, des Aligoté und sogar des Melon de Bourgogne (der Rebsorte des Muscadet) ist. Eine echte Geschwisterschar, die dem gleichen unwahrscheinlichen Elternpaar entstammt.
Ein Terroir-Chamäleon: Eine Pflanze, tausend Gesichter
Wenn der Gamay bei manchen in schlechtem Ruf steht, liegt das oft daran, dass man vergisst, dass die Rebsorte nicht alles macht. Wie wir in unserem der Rebe gewidmeten Saal erklären: „Die Rebsorte ist wichtig, aber was sie umgibt, ist es ebenso.”
Der Gamay ist ein echter Terroir-Schwamm. Er verändert seine Persönlichkeit radikal je nach Boden (Granit, Schiefer, Ton) und Exposition.
- Auf einem Terroir wie Fleurie ergibt er einen leichten, blumigen und eleganten Wein.
- Auf den verwitterten Felsen von Morgon wird er kräftig, tiefgründig und fähig, wie ein großes Burgunder zu altern.
- In Moulin-à-Vent wird er kraftvoll und tanninreich.
Das nennt man „die Magie des Terroirs”: Eine einzige Rebsorte kann eine unendliche Palette von Geschmäckern bieten, vom leichten Trinkwein bis zum großen Lagerwein.
Der Gamay ist der lebende Beweis dafür, dass man einen Wein nicht nach seinem Etikett oder seinen historischen Vorurteilen beurteilen sollte. Er ist eine resiliente, komplexe Rebsorte, die tief mit der Geschichte unserer Region verbunden ist.
Möchtest du mehr erfahren? Komm und erkunde den Stammbaum der Rebsorten und berühre die verschiedenen Böden (Granit, Schiefer, Kreide), die den Geschmack des Weins in unserem immersiven Rundgang prägen.